DESCRIPTION
BATTIER oder BASTIER
Basel
Schweiz
✶ Wappen:
„In Rot ein silbernes Schloss mit zwei flankierenden Türmen, offen im Feld, im silbernen Schildhaupt drei rote Flammen nebeneinander.“
- Helmzier: Ein wachsender silberner Löwe, rot gezungt.
✶ Heraldische Quellen:
- Wappenbuch der Stadt Basel von B. Meyer-Kraus, 1880.
- Armorial d’Europe von J.B. Rietstap (Gouda 1861, 1884, 1887; Berlin 1934, 1937).
- Armorial général J.B. Rietstap, illustriert von Victor und Henri Rolland (1903–1926). Koloriert von Lionel Sandoz (1993–2002).
✶ Geschichte
Die Familie BATTIER (auch BASTIER geschrieben) ist eine Basler Bürgerfamilie, die aus Saint-Symphorien-le-Château (heute Saint-Symphorien-sur-Coise) bei Lyon in Frankreich stammt.
Die männliche Linie erlosch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die Stammväter sind die beiden Brüder Jean BATTIER (1537–1602) und Jacques BATTIER (1543–1608), Seidenkaufleute, die als hugenottische Flüchtlinge aus Paris nach Basel kamen. Sie erhielten das Bürgerrecht 1569 bzw. 1573. Beide heirateten Töchter des Arztes und Chirurgen Jean Bauhin (1511–1592).
Ihre Nachkommen waren im Seiden- und Tuchhandel sowie im Druckgewerbe tätig und bekleideten öffentliche Ämter innerhalb der Basler Zünfte (Schlüssel, Safran, Küfer, Bär). Die Familie stellte mehrere Landvögte, Garnisonskommandanten und einen Bürgermeister. Die männliche Linie erlosch 1868 mit Eugen BATTIER (1804–1868).
✶ Etymologie
Der Name BATTIER (oder BASTIER) ist französischen Ursprungs und mit der Lyoner Region verbunden. Er bezieht sich wahrscheinlich auf einen Beruf oder einen Ortsnamen, wie es bei Patronymen dieser Epoche üblich ist (möglicher Bezug zu „bâtier“ = Sattler/Packmeister oder eine lokale Variante). Die protestantische Familie ließ sich aus religiösen Gründen im 16. Jahrhundert zunächst in Genf und dann in Basel nieder.
✶ Heraldische Beschreibungen
Das Wappen der Basler Familie BATTIER wird wie folgt beschrieben:
In Rot eine silberne, zinnenbekrönte Stadttoröffnung mit schwarzer Fugenmauerung, offen im Feld, begleitet im silbernen Schildhaupt von drei nebeneinander liegenden silbernen Tropfen.
Helmzier: Ein silberner Löwe.
Schildhalter: Zwei schwarze Adler.
✶ Eine Variante lautet:
„In Rot eine silberne Stadttoröffnung zwischen zwei runden, zinnenbekrönten Türmen, das Fallgatter hochgezogen, das Ganze in Silber, offen im Feld; im silbernen Schildhaupt drei rote Tropfen.“
Helmzier: Ein silberner Löwe wachsend, rot gezungt und bewehrt.
✶ Eine weitere Beschreibung (Genf-Basel):
„In Rot ein silberner Turm mit drei silbernen Zinnenstücken, überragt von drei getrennten silbernen Flammen.“
✶ Symbolik des Wappens
Das Wappen der BATTIER symbolisiert Verteidigung und Stabilität durch das Stadttor bzw. den zinnenbekrönten Turm – Symbole für Schutz, Bastion und befestigte Stadt. Dies steht im Zusammenhang mit ihrer lyonesischen Herkunft (Saint-Symphorien) und ihrer Integration als Basler Bürger.
Die Flammen oder Tropfen im Schildhaupt können das Feuer (Reinigung, protestantischer Eifer) oder heraldische Elemente aus Allianzen darstellen (z. B. mit den Thellusson oder Des Gouttes).
Der Löwe als Helmzier verkörpert Tapferkeit, Herzensadel und Stärke – Werte, die einer Familie von Kaufleuten, Pfarrern und Gelehrten wichtig waren. Die Adler als Schildhalter betonen Wachsamkeit und Größe.
Rot (Gueules) steht für Mut und Opferbereitschaft, Silber für Reinheit und Weisheit.
✶ Biografien bedeutender Persönlichkeiten
Zu den bemerkenswerten Nachkommen der älteren Linie gehören:
- Peter BATTIER (1636–1690), Rat des Kurfürsten von Brandenburg, später des Herzogs von Lüneburg, Gesandter in den Niederlanden und in Spanien.
- Johannes BATTIER (1650–1718), Cousin, Pfarrer in Münchenstein.
- Félix BATTIER (1691–1767), Sohn von Hans Kaspar, Mitglied des Kleinen Rats von Basel (1734), Landvogt von Riehen (1736), Mitglied des Geheimen Rats (1738), Oberstzunftmeister (1740), Bürgermeister von Basel (1760–1767). Er war ein bedeutender städtischer Führer.
- Jakob BATTIER († 1643 in London), Sekretär des Grafen von Leicester.
- Simon BATTIER (1629–1681), Professor für Ethik und Recht.
- Samuel BATTIER (Cousin), Landvogt im Maggiatal.
- Johann Rudolf BATTIER (Sohn Nr. 7, †1681), Landvogt von Mendrisio.
- Friedrich BATTIER (1659–1722), Hebraist und Pfarrer von St. Alban.
- Jakob BATTIER (1664–1720), Bruder des Vorigen, Professor der Rechte, Ratsadvokat der Stadt und ständiger Sekretär der Akademie, Autorität auf dem Gebiet der griechischen und römischen Altertumskunde.
- Samuel BATTIER (1667–1744), Doktor der Medizin, Professor für Griechisch, außerordentlich produktiver Schriftsteller.
✶ Internationale Biografien der BATTIER
- Schweizer Familie (Schweizer Geschlecht), nachweisbar seit 1551, vermutlich baslerischen Ursprungs. Sie brachte im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche reformierte Theologen, Juristen, Ärzte und Gelehrte hervor, die oft an Universitäten und in den Kirchen der deutschsprachigen Schweiz wirkten.
- Simon BATTIER (1629): Schweizer Jurist und Philosoph aus Basel. Er arbeitete als Anwalt und Lehrer und war Vater mehrerer wichtiger akademischer Persönlichkeiten der Familie.
- Friedrich BATTIER (1658): Schweizer reformierter Theologe (Basel). Pfarrer und Prediger in der Basler Kirche um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert.
- Johann Jacob BATTIER (1664): Schweizer Jurist, geboren am 6. Februar 1664 in Basel, gestorben 1720. Professor der Rechte an der Universität Basel, bekleidete auch wichtige akademische Ämter (u. a. als Vikar der Logik).
- Simon BATTIER (1666): Zinngießer in Basel. Handwerker, spezialisiert auf Zinnguss.
- Samuel BATTIER (1667): Schweizer Arzt, Gräzist und Philologe, geboren 1667 in Basel, gestorben 1744. Professor für Griechisch an der Universität Basel, Rektor der Universität, Freund des Philosophen Malebranche. Einer der herausragendsten Vertreter der Familie.
- Johann Rudolph BATTIER (1693): Schweizer protestantischer Theologe, geboren am 9. November 1693 in Basel. Prediger und Theologe in seiner Heimatstadt.
- Reinhardt BATTIER (1724): Schweizer Mathematiker des 18. Jahrhunderts.
- Jean Baptiste BATTIER (Baltier und Ballier) (1740): Französischer Uhrmacher. Mitglied eines französierten oder verwandten Zweigs der Familie.
- Andreas BATTIER (1755): Schweizer protestantischer Theologe, aktiv in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
- Mathurin BATTIER: Einwohner von Beaupréau (Département Maine-et-Loire). Er war in den Vendée-Aufstand während der Französischen Revolution verwickelt. Von den republikanischen Behörden als „Brigand der Vendée“ bezeichnet, wurde er von der Militärkommission in Nantes zum Tode verurteilt und am 29. Nivôse II (18. Januar 1794) hingerichtet.
- Henrietta Fleming, genannt Henrietta BATTIER (1813): Irische Dichterin und politische Satirikerin, geboren um 1751, gestorben 1813. Tochter von John Fleming, verheiratet mit einem BATTIER. Bekannt für ihre Gedichte, politischen Satiren und ihr Engagement für die irische Sache.
✶ Heraldische Quellen
- Armorial manuscrit dédié aux autorités de la République de Genève von Isaac-Louis Naville-Rilliet, 1789.
- Wappenbuch der Stadt Basel von B. Meyer-Kraus, 1880.
- Wappenbuch der Stadt Basel (Wilhelm Richard Staehelin, dessins de Carl Roschet) : 1917–1929 (publié en plusieurs parties / folios par la Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel, éditeur Helbing & Lichtenhahn).
- Basler Adels- und Wappenbriefe (W. R. Staehelin) : 1916.
- Wappenbuch der bürgerlichen Geschlechter der Stadt Bern (Felix Friedrich Hürzeler, dessins de Paul Bösch) : 1932 (édité par la Burgergemeinde Bern).
✶ Literaturquellen
Historisches Lexikon der Schweiz (DHS).
Baslerisches Geschlechterbuch.
Wappenbuch Basel.
Werke über Basler Bürgerfamilien und hugenottische Flüchtlinge.
✶ Archive
Familienarchive (AFam) und Staatsarchiv Basel-Stadt (StABS).
Dokumente zur Basler Bürgerschaft (1569–1573) und zu den Zünften.
Armorial-Manuskripte in den Staatsarchiven Genf und Basel.
© Urheberrecht: Lionel Sandoz, Wappenzeichnung und Text, 2026.
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